Handelsblatt

29. September 2021

„Ein europäischer Champion“

BioNTech-Aufsichtsratchef setzt Millionen auf deutsche Tech-Gründung 

Die Datenfirma ONE LOGIC hat nach Ansicht des Start-Investors riesiges Potenzial. Sie tritt mit Künstlicher Intelligenz gegen Schwergewichte wie Palantir an.

Die Datenfirma ONE LOGIC bekommt einen prominenten Investor: Über seine Beteiligungsgesellschaft Salvia hat sich Helmut Jeggle an dem Unternehmen mit Sitz in Passau beteiligt. Für einen zweistelligen Millionenbetrag habe er einen Anteil von 20 Prozent an ONE LOGIC erworben, bestätigte er im Gespräch mit dem Handelsblatt.

Jeggle ist einer der ersten Investoren des Pharmaunternehmens BioNTech, bei dem er noch heute Vorsitzender des Aufsichtsrats ist. BioNTech hatte Ende vergangenen Jahres als erstes einen Impfstoff gegen Covid-19 auf den Markt gebracht; seitdem hat die Aktie des Mainzer Unternehmens deutlich an Wert gewonnen.

Aus Sicht von Jeggle könnte sich der Erfolg bei ONE LOGIC wiederholen. Er vergleicht deren Gründer Andreas Böhm mit Ugur Sahin, der BioNTech vor 13 Jahren ins Leben gerufen hatte. ‚Ähnlich wie Ugur Sahin in seinen Anfangszeiten ist Andreas Böhm ein Gründer mit einer großen Vision und Leidenschaft, der mit Lust eine ganz neue Technologieplattform und europäischen KI-Champion aufbauen will‘, sagte Jeggle.

ONE LOGIC entwickelt Systeme, um mit Künstlicher Intelligenz große Mengen an Daten zu verarbeiten. Mit einem Umsatz von unter 20 Millionen Euro ist das bayerische Unternehmen zwar vergleichsweise klein. Zu den Kunden gehören indes unter anderem Thyssen-Krupp, BASF und eben BioNTech. Über Letzteren hat Jeggle Kontakt zu Böhm erhalten.
Nach einem ersten Treffen mit Böhm war Jeggle von dem Start-up überzeugt – und beteiligte sich. Mit der jüngsten Finanzierungsrunde steigt der Wert des Passauer Unternehmens auf über 100 Millionen Euro. ONE LOGIC ist zwar seit nunmehr acht Jahren im Geschäft, bisher ist das Unternehmen nur aus eigener Kraft gewachsen. Schulden nahm Böhm nicht auf.

Auch Hexal-Gründer vertrauen Jeggle

In Kreisen der Finanz-Community hat es Jeggle zu einer Berühmtheit gebracht. So wachte er bis vor wenigen Monaten über das Vermögen der Familie Strüngmann, die ebenfalls zu den frühen Investoren von BioNTech gehören. Für diese hatte er unter anderem den Milliardenverkauf der Pharmafirma Hexal abgewickelt.
Mit dem Geld von Jeggle finanziert Böhm nun die Entwicklung neuer Produkte und den Sprung ins Ausland. Über bestehende Kunden expandiert die Gesellschaft in die Schweiz und die USA, in dem wohl am stärksten umkämpften Markt.

Mit seinen Produkten tritt ONE LOGIC in Konkurrenz zu Schwergewichten wie die amerikanische Palantir. Das von Alex Karp gegründete Unternehmen kommt auf einen Jahresumsatz von 1,1 Milliarden Dollar und einen Börsenwert von rund 45 Milliarden Dollar – an dem Verhältnis zeigt sich, welches Potenzial Investoren in dem Feld sehen.
In der Tat wächst die Nachfrage nach Softwaresystemen, wie sie ONE LOGIC und Palantir produzieren, im zweistelligen Prozentbereich Jahr für Jahr. Ein Ende ist für Experten nicht in Sicht. Bisher nutzen Unternehmen selten die wirtschaftlichen Chancen, die sich aus einer systematischen Auswertung ihrer Daten ergibt.
Möglich ist nicht nur die Speicherung von Informationen, sondern auch deren Auswertung, um etwa künftige Kundenbedürfnisse vorweg zu ermitteln. Über die Plattformen von ONE LOGIC kann BioNTech den Bedarf von Impfdosen in einzelnen Regionen ermitteln, bevor die Nutzer die Bestellung abgegeben haben.

Wie bei BioNTech will Jeggle dauerhaft bei ONE LOGIC beteiligt bleiben. ‚Ich denke heute nicht an einen Exit.‘ Dies unterscheidet ihn von anderen Investoren, die bestenfalls fünf Jahre im Aktionärskreis bleiben. Für Böhm war diese langfristige Denke der Grund, warum er Jeggle in die Firma geholt hat.

Lesen Sie den Handelsblatt-Artikel hier oder holen Sie sich weitere Informationen in unserer Pressemitteilung.

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